Die längste Bühne der Stadt RadKulTour
Dass Matthias Koch leidenschaftlich gern Rad fährt, ist nicht zu übersehen. Betritt man sein Büro im Kulturamt, fällt der erste Blick auf sein Rennrad. „Bielefeld ist eine Radfahrerstadt“, unterstreicht der Programmplaner, der für die Organisation der mittlerweile 6. RadKulTour am 6. September verantwortlich ist.

Entstanden ist die Idee zu der Veranstaltung, die kulturelle Abenteuer und Radeln aufs Schönste verbindet, aber aus einem anderen Grund. „Das Projekt war zunächst ein ‚Notnagel‘ unter Covid-Bedingungen“, erinnert sich Matthias Koch. Dass daraus eine regelmäßige Veranstaltung werden sollte, die weit über die Corona-Zeit hinaus trägt und begeistert, war nicht absehbar. Die einzige Variante, Kultur unabhängig von Inzidenzen anbieten zu können, war auf eine feste Bühne und ein Dach über dem Kopf zu verzichten. Das Kulturamt entwickelte ein Konzept für eine Open-Air-Veranstaltung, die Kultur für das Publikum wieder erlebbar machen und Kulturschaffenden der freien Szene Auftrittsmöglichkeiten geben wollte.
Umsonst und draußen
Was 2020 als Experiment an den Start ging, hat sich zur längsten Kulturbühne der Stadt entwickelt – nicht zuletzt dank zusätzlicher Fördermittel. „Umsonst und draußen, der Fokus auf die freie Szene und ein nachhaltiger, klimasensibler Charakter: Diese drei Säulen prägen die RadKulTour“, bringt Matthias Koch die Stärken auf den Punkt. „Gleich die erste Veranstaltung war ein großer Erfolg und ist von der freien Szene schnell angekommen werden. Es passte auch zu Themen wie nachhaltige Verkehrsplanung, die damals stark diskutiert wurden.“
Die Veranstaltung punktet aber nicht nur mit einem winzigen CO2-Fußabdruck, sondern vor allem mit engagierten Akteur*innen. „Die große Qualität ist, dass die freie Szene das als ihre eigene Veranstaltung versteht. Das hat sich im letzten Jahr besonders nachdrücklich gezeigt, als trotz schlechter Wetterprognose niemand abgesagt hat“, unterstreicht der Programmplaner.

Engagiert in Baumheide
Der Input kommt von der Freien Szene, das Kulturamt schafft die Rahmenbedingungen. Dazu zählt unter anderem die Ausarbeitung der Strecke, die in diesem Jahr Bielefelds Norden erkundet. Orientiert an der der Radroute „Das Grüne Netz“ führt sie unter anderem vorbei an den Stauteichen, durch Baumheide und den Nordpark. „Mit dem Freizeitzentrum Baumheide haben wir einen wunderbaren neuen Partner dabei“, freut sich Matthias Koch. „Es ist wichtig, dass der jeweilige Stadtteil mitmachen mag, wir müssen auf Resonanz treffen. In Baumheide bin ich auf sehr viel Bereitschaft gestoßen sich einzubringen, ich war beeindruckt.“
Teilnahmevoraussetzungen für die Akteur*innen sind Nachhaltigkeit, ein Wohnsitz in Bielefeld und die Qualität. „Außerdem schauen wir bei den Bewerbungen auf die Spartenparität.“ Ein gewisser Überhang an Bewerbungen erledigt sich oft von selbst. „Manche kommen nicht aus Bielefeld oder brauchen Strom für sechs E-Gitarren“, lacht Matthias Koch. Positiv sieht er außerdem eine Mischung aus „Wiederholungstätern“ und Neuzugängen. „Es gibt tolle Profis und gute Laien, die im Fahrwasser der erfahrenen Akteur*innen reisen und voneinander profitieren, das funktioniert wie ein Tandem.“ In diesem Jahr präsentieren insgesamt 82 Ensembles, Bands und Einzelkünstler*innen, darunter 11 Neuzugänge, ihre kreativen Projekte im Grünen. Ob Musik, Performance, Lesung oder Ausstellung: Unterwegs warten zahlreiche kulturelle Überraschungen. Auch das Kulturamt selbst lernt ständig dazu. „Seit der RadKulTour in Sennestadt sind die Teilnehmenden nicht mehr wie auf einer Perlenkette aufgereiht, sondern es gibt Hot Spots mit Gastronomie oder Toiletten im Umfeld.“ Wer nicht die ganze Strecke von 18 km radeln mag, steuert am besten so einen Hot Spot an, um möglichst viel Programm mitzunehmen. Und noch ein Tipp von Matthias Koch:„Sich im Vorfeld informieren und gezielt planen, welche Kulturakteur*innen man erleben möchte.“
6.9.2026, 14:00-18:00
Bielefelds Norden Tipp: Rechtzeitig zur RadKulTour stehen eine gpx-Routenführung sowie ausführliche Programminfos auf www.kulturamt-bielefeld.de zur Verfügung
Fotos: Klaus Hansen



