Die neue Spielzeit
WageMut
„Wir haben sortiert, was uns beschäftigt und umtreibt“, sagt Intendantin Nadja Loschky bei der Spielzeit-Pressekonferenz über die Suche nach dem Motto für die neue Saison des Theater Bielefeld. „Wir haben versucht einen Begriff zu finden, der auf spielerische Weise funktioniert, der aktiviert, Mut macht und im Theaterkontext vibriert.“ Herausgekommen ist „WageMut“, was gerne auch als Aufforderung gelesen werden darf.

v.l.n.r. Birgit Beckermann, Stefanie Niedermeier, Martina Breinlinger, Michael Mund, Ella Rothschild, Robin Davis, Nadja Loschky, Dariusch Yazdkhasti
Angesichts ökonomischer Unsicherheiten, ökologischer Krisen, politischer Polarisierungen, globaler Kriegsherde und technologischer Beschleunigung verwundert es nicht, wie viele Menschen sich zeitweise ohnmächtig fühlen und den Mut verlieren. Das Spielzeit-Motto möchte dem etwas entgegensetzen. „Theater bietet genau den richtigen Raum, um den Zauber von WageMut wieder erleben zu können“, so Nadja Loschky. Theatermachen bedeutet, sich der Komplexität unserer Gegenwart zu stellen, ohne sie zu vereinfachen. Es bedeutet aber auch, groß träumen zu dürfen – davon, was man gemeinsam erschaffen kann, auf der Bühne wie im ‚wahren Leben‘.“
Gesang
Der Musiktheater-Spielplan setzt sowohl auf neue und überraschende Werke als auch auf die großen und bekannten Opernstoffe. Meisterwerke, die nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben, neu zu befragen reizt Operndirektor Michael Mund. „Wir brauchen die großen Klassiker, die zu Herzen gehen, sind aber auch immer auf der Suche nach zeitgenössischen Stücken.“ So darf sich das Publikum unter anderem auf Mozarts „Zauberflöte“ (Premiere 10.10.26), Benjamin Brittens „Sommernachtstraum“ (5.12.26) und „Tosca“ (1.5.27) von Puccini freuen. Ein neueres Werk stammt aus der Feder der Bielefelder Brüder Vivan und Ketan Bhatti. Vor dem Hintergrund der RAF-Geschichte entsteht in ihrer HipHop Opera „Der rote Wal“ (6.3.27) eine Collage aus Vergangenheit, Gesellschaftstheorie, Märchen und Zeitgeschehen. Zudem kommt mit „Die Tiefe des Raumes“ (22.5.27) ein Fußballoratorium als Lichtspieloper auf die Bühne der Rudolf-Oetker-Halle – mit Blick auf die Alm. „Das ist eine Oratorien-Parodie“, lacht Generalmusikdirektor Robin Davis, „wird aber ernst musiziert.“
Bevor außerdem die spartenübergreifende Produktion „Krabat“ (21.5.27) und die Familienoper „Der kleine Prinz“ (11.6.27) Premiere feiern, eröffnet die Spielzeit im Musiktheater mit einer neuen Inszenierung einer 2010 umjubelten Uraufführung. Lange vor der #metoo-Debatte schrieb William Ward Murta mit „The Birds of Alfred Hitchcock“ (20.9.26) ein Musical über Machtmissbrauch im Filmbetrieb. „Das Stück war damals seiner Zeit voraus und ist heute aktueller denn je“, unterstreicht Michael Mund.

„Baga Beach“ wird ab dem 24.9.26 wiederaufgenommen (Foto: Philipp Ottendörfer)
Spiel
Wie erstaunlich aktuell ein bereits 1602 uraufgeführter Klassiker sein kann, beweist die Eröffnung der Schauspielsaison mit Shakespeares „Hamlet“ (12.9.26). Als politischer Thriller, Familien- und Rachetragödie sowie philosophische Versuchsanordnung über Lügen, Intrigen und Machtmissbrauch überdauerte das Drama die Jahrhunderte. „Das ist der Stoff, der die allgemeine Verwirrung, die uns zurzeit alle erfasst hat, am besten zeigt“, unterstreicht Schauspieldirektor Dariusch Yazdkhasti. „Wahrheit und Paranoia sind nicht mehr auseinanderzuhalten, das kam uns sehr heutig vor.“ Auch die Gruselgeschichte „Die Legende von Sleepy Hollow“ (18.9.26) bietet mit dem Konflikt zwischen Vernunft und Irrationalität aktuelle Anknüpfungspunkte. Weitere Premieren sind u. a. Ibsens „Nora oder Ein Puppenheim“ (23.1.27), „Sommergäste“ (30.1.27) nach Maxim Gorki sowie die „Komödie mit Banküberfall“ (20.3.27). „Die knüpft an große Heist-Filme an und ist an Akrobatik und Komik kaum zu überbieten“, begeistert sich Dariusch Yazdkhasti. Ebenso sehr freut es ihn, dass einige Stücke (nicht nur) für Jugendliche auf dem Programm stehen. Etwa „Der Ruf der Wildnis“ (28.11.26) nach Jack London und die Coming-of-Age-Geschichte „Die Brücke von Mostar“ (22.5.27), die vor dem Hintergrund des Bosnienkrieges spielt. Und als Kinder- und Familienstück zur Weihnachtszeit zeigt das Theater Bielefeld „Das letzte Einhorn“ (14.11.26). Ein zeitloses und magisches Fantasy-Meisterwerk, in dem es ganz schön viel Mut braucht, um zahlreiche Abenteuer zu bestehen.
Tanz
Wagemut anderer Art beweist Ella Rothschild, die mit der Saison 2026/27 die künstlerische Leitung Tanz übernimmt. Nach einer langen Zeit des Reisens und als freischaffende Künstlerin möchte sie sich in Bielefeld eine kreative Heimat schaffen. „Ich war mir nicht sicher, ob ein Stadttheater der Anker ist, nach dem ich gesucht habe“, so die Choreographin, „aber als ich das Team kennengelernt habe, war ich überzeugt und möchte das Theater zu meinem Mutterschiff machen.“ Die erste Tanz-Premiere der Spielzeit, „Summer Snow“ (24.10.26), ist eine gute Einführung in ihr Werk. „Das sehr persönliche Stück trägt meine Sprache in sich“, sagt Ella Rothschild. Neben weiteren Tanz-Premieren steht mit „Milk Teeth“ (10.4.27) außerdem eine Uraufführung an, und zum Abschluss der Saison möchte „Flood“ (Sommer 27) an verschiedenen Orten die Stadt selbst zur Bühne machen.
Mitten hinein in die Stadtgesellschaft geht auch die vielfältige Vermittlungsarbeit des Theaters, die unter dem Claim „Mach mit!“ unter anderem zu drei Community-Dance-Projekten einlädt.
Weitere Infos im kostenlos ausliegenden Spielzeitheft sowie unter www.buo-bielefeld.de/theater



