Unter Verdacht

35. Film+MusikFest

Höchst verdächtig: Wenn eine Veranstaltungsreihe mittlerweile zum 35. Mal stattfindet, deuten alle Hinweise auf eine Erfolgsgeschichte hin. Und speziell 2025 sprechen die Indizien für besonders spannende Unterhaltung. „Unter Verdacht“ lautet nämlich das Motto der 35. Ausgabe des Film+MusikFestes der Friedrich Wilhelm-Murnau-Gesellschaft.

Mit kriminalistischem Spürsinn kommt Christiane Heuwinkel der bis heute anhaltenden Faszination des Kinos für das Thema auf die Spur. „Das Kino war immer ein Spielplatz der Doppelbödigkeiten“, erklärt die begeisterte Cineastin und Vorstandsmitglied der Murnau-Gesellschaft. „Die Kamera bietet die Möglichkeit, durch Detailaufnahmen den Focus von der eigentlichen Handlung ab- und auf verräterische Blicke und Gegenstände lenken zu können, so dass eine Spannung zwischen dem Offensichtlichen und dem Verräterischen im ‚Dazwischen‘ entsteht. Die detektivische wie die erotische Spannung und damit der (falsche) Verdacht sind immer schon Movens der Handlung gewesen.“ „Unter Verdacht“ stehen beim Festival etwa die „Juwelenelse“ und mit ihr der brave Wachtmeister Holt in Joe Mays glamourösem Thriller „Asphalt“.

Auch Alfred Hitchcocks „Mieter“ erscheint als mysteriöser Hauptverdächtiger. Doch ist er wirklich ein Serienkiller? Vom düsteren Schauerdrama bis zur temporeichen Kriminalkomödie voller Gags und Überraschungen buchstabiert das Festival die große Bandbreite des Themas durch. Dass gerade das frühe Kino der Weimarer Jahre eines der Doppelbödigkeiten und fundamentalen Verunsicherungen ist, liegt dabei nahe. „Zutiefst getroffen von den Verheerungen des Ersten Weltkriegs erleben die Menschen das Auf und Ab zwischen äußerstem Modernismus der Roaring Twenties und der Weltwirtschaftskrise als weitere, tief ihr Inneres treffende Erschütterung“, so Christiane Heuwinkel.

Unter seiner hochglanzpolierten Oberfläche reflektiert das Kino der 1920er Jahre ein Zeitalter des Schreckens und der Schönheit, das uns bis heute fasziniert. Nicht zuletzt deshalb, weil sich 100 Jahre später durchaus Parallelen ziehen lassen. „Erschütterungen in vielerlei Hinsicht erleben wir zurzeit zuhauf. Vielleicht trägt das zur Aktualität des frühen Kinos bei“, vermutet Christiane Heuwinkel. „Und wenn wir uns fragen, wen wir im Kino mehr lieben: den hellleuchtenden Helden oder den schönen Schurken, sind wir selbst doch erstaunt über unsere Wahl, geprägt von der amoralischen Lust am Unseriösen.“ Die befriedigt das 35. Film+MusikFest unter anderem mit einer Rarität, auf die sich die Veranstalter:innen besonders freuen. „Für uns ist das Programm immerauch Premiere: Wir zeigen seltene Filme, die wir selbst noch nicht kennen, aber unbedingt sehen wollen. So wie Paul Lenis ‚The Man Who Laughs‘ mit Conrad Veidt. Das verzerrte Dauergrinsen, das unserem Helden durch schiere Bösartigkeit mit dem Messer eingeprägt wurde, und ihn zum Außenseiter hat werden lassen, inspirierte die Comicreihe ‚Batman‘ mit seinem Gegenspieler bis hin zu Joaquin Phoenix‘ Maske als ‚The Joker‘ in Todd Phillips Film von 2019: für mich ein Zeichen für die ungebrochene Inspirationskraft des frühen Films.“

www.murnaugesellschaft.de

THEATERSPIELZEIT


„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Der Satz, der seit mittlerweile 75 Jahren an erster Stelle des deutschen Grundgesetzes steht, überschreibt die Theaterspielzeit 2024/25. Es ist ein Satz mit Gewicht. Richtungsweisend und inhaltsschwer.

VON BETHEL AUF DIE BÜHNE


WIE GEHT ES IHNEN HEUTE? WARUM DIESE SCHEINBAR FREUNDLICHE, WOHLWOLLENDE FRAGE ZUM ALPTRAUM WERDEN KANN, HAT DIE AUTORIN ANNE JELENA SCHULTE BEI DEN RECHERCHEN ZU IHREM NEUEN STÜCK ERFAHREN.

Magnus Lindgren


BEREITS IM LETZTEN JAHR WÄRE ER ALS ARTIST IN RESIDENCE IN DER RUDOLF-OETKERHALLE ZU HÖREN GEWESEN. CORONA HAT’S VEREITELT. DOCH AUFGESCHOBEN IST NICHT AUFGEHOBEN.

REBECCA EGELING


Ihre Wurzeln liegen im Tanz – doch ihre künstlerische Laufbahn hat Rebecca Egeling nie als geradlinigen Weg verstanden.