KRISTALL TRÄUME

Wenzel Hablik

WENZEL HABLIK IST EIN PHÄNOMEN“, UNTERSTREICHT CHRISTIANE HEUWINKEL, KÜNSTLERISCHE LEITERIN UND GESCHÄFTSFÜHRERIN DES KUNSTFORUMS HERMANN STENNER. „EIN BODENSTÄNDIGER UTOPIST, DER EINE TISCHLERLEHRE MACHTE UND ZUGLEICH STERNENHIMMEL MALTE, DIE AUS EINEM HEUTIGEN SCIENCE-FICTION-FILM STAMMEN KÖNNTEN. SEIN LEITSATZ ‚MUSS ICH SCHON HIER AN DER ERDE KLEBEN – DANN WENIGSTENS NICHT MIT DEM HIRN!‘ HAT FÜR MICH UNBEDINGTE AKTUALITÄT.“

STERNENHIMMEL 1909, ÖL AUF LEINWAND
© WENZEL-HABLIK-STIFTUNG, ITZEHOE

Und der Leitsatz macht neugierig auf die Begegnung mit einem Künstler,
dessen Inspiration vom kleinsten Kristall ausging, um sich in den Weltraum zu erstrecken. Der Bestecke, Wandteppiche und Flugobjekte designte. Die
Innenräume von Hotels und Büros gestaltete und zugleich Luftkolonien auf dem Mars entwarf. Kristalline Architekturentwürfe, intergalaktische „Luftkolonien“ und mechanische Flugkörper, aber auch Sternenhimmel, Berglandschaften und Möbelentwürfe: Das Gesamtkunstwerk des Expressionisten Wenzel Hablik ist überbordend in seiner Vielfalt – und noch viel zu wenig entdeckt. Das Kunstforum Hermann Stenner richtet dem Maler, Gestalter und Architekturvisionär jetzt eine große Retrospektive aus. 1881 im westböhmischen Brüx geboren, legt Hablik mit nur 14 Jahren in der väterlichen Werkstatt die Prüfung zum Tischlermeister ab. In Wien, Zentrum des Jugendstils und der „Wiener Werkstätten“, studiert er ab 1902 Malerei, Schriftgestaltung und Heraldik an der Kunstgewerbeschule und macht erste Erfahrungen als Zeichner von Stoffentwürfen für eine Möbelfabrik. Seit Beginn seines Studiums zeichnet Hablik Gruppen von selbstgesammelten Gesteinsproben und Kristallen, die sich in seiner Phantasie zu Märchenschlössern auf unzugänglichen Berghängen ausformen. Heute gehören sie zu den frühesten bekannten Entwürfen kristalliner Architektur in der europäischen Kunstgeschichte. Als Student an der Kunstakademie Prag kommt er mit dem Expressionismus in Berührung, der sich in Habliks pastosem Farbauftrag und einem gestischen Pinselschwung niederschlägt, sowie in einer von Vincent van Gogh und Edvard Munch inspirierten Motivik. Intensive Naturerlebnisse prägen seine Auseinandersetzung mit den Elementen und bleiben stets die bedeutendste Inspirationsquelle für sein Schaffen. 1907 lädt ihn ein Holzgroßhändler zu sich nach Itzehoe ein und wird ihm zum Lebensfreund und Mäzen. In Itzehoe entwirft Hablik extravagante Raumkonzepte für Privatwohnungen und Firmensitze, während er privat seine kristallinen Architekturutopien in Zeichnungen und großformatigen Gemälden vorantreibt. In der selbstständigen Handweberin Elisabeth Lindemann findet er eine Ehefrau, mit der er kreativ zusammenarbeitet und die ihm mit ihrem erfolgreichen Unternehmen auch finanziell den Rücken stärkt. Habliks Rückzug in die Provinz wie auch sein früher Krebstod mit nur 52 Jahren ließen einen Künstler jahrzehntelang in Vergessenheit geraten, der bis zum Ende des Ersten Weltkriegs in Berlin im Zentrum der Avantgarde stand. Die Ausstellung, die in enger Kooperation mit dem Wenzel-Hablik-Museum in Itzehoe entsteht, will dem nun entgegenwirken. Auf beiden Etagen stellt das Kunstforum Hermann Senner das Schaffen Wenzel Habliks mit über 100 Gemälden, Zeichnungen und Druckgraphiken, Designobjekten, Fotografien und Dokumenten vor. „Ich bin mir sicher“, resümiert Christiane Heuwinkel, „mit unserer Ausstellung ein unfassbar reiches und zu Unrecht zu wenig bekanntes Werk eines Universalkünstlers präsentieren zu können, das Liebhaber:innen von Architektur, Kunsthandwerk und Design, expressiver Malerei und jugendstilhafter Radierung zugleich interessieren wird.“
www.kunstforum-hermann-stenner.de

KUNSTFORUM HERMANN STENNER
31.10.21 – 6.3.22

Jüdische Kulturtage Bielefeld


WEITER GEHT’S 2021 Die ersten Jüdischen Kulturtage im vergangenen Jahr haben Lust auf „mehr“ gemacht. Die Jüdische Kultusgemeinde, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der Historische Verein, das…

Große Erwartungen


Die Realität des Steckrübenwinters 1919 in Berlin trifft in „Madame Dubarry“ auf das elegante Rokoko eines märchenhaft imaginierten vorrevolutionären Zeitalters. Ernst Lubitsch zeigt den Aufstieg und Fall einer jungen Hutmacherin zur Mätresse des französischen Königs und mächtigsten Frau Frankreichs. „Die Stadt ohne Juden“ von K. H. Breslauer hingegen ist ein Titel, der uns heute das Blut in den Adern gefrieren lässt. 1924 gedreht, nach fast 100 Jahren wiederentdeckt und restauriert, nimmt der Film zum ersten Mal überhaupt das Thema Antisemitismus auf und setzt es in eine satirische Dystopie von unfassbarer Hellsichtigkeit über die Hetze gegen Juden um. Anders als in der Realität wenige Jahre später geht die Filmgeschichte jedoch besser aus. Der Massenhysterie folgt die Ernüchterung. Ohne Juden wird alles schlimmer in Utopia. Weiter geht’s mit dem „Kino für Kurze“, einem amüsanten Kurzfilmprogramm für die ganze Familie, gefolgt von „The Goose Woman“.

Unter Verdacht


Höchst verdächtig: Wenn eine Veranstaltungsreihe mittlerweile zum 35. Mal stattfindet, deuten alle Hinweise auf eine Erfolgsgeschichte hin.

INTERVIEW mit Dr. Holger Schettler


Der nachfolgenden Generation Einblicke in technische und kulturhistorische Zusammenhänge ermöglichen. Ein Ziel, das Dr. Holger Schettler und seine beiden Kollegen Frank Bell und Michael Wiegert-Wegener auch mit der Ausstellung im Historischen Museum verfolgen.