Veit Mette

Das ganze Leben

Die eine Seite seines Schaffens ist nicht zu übersehen. Schließlich rollt seit 1999 eine mobile Ausstellung durch Bielefeld. Die Straßenbahn mit Veit Mettes Bildern aus Bethel prägt das Stadtbild und wurde gerade mit aktuellen Aufnahmen neugestaltet. Dass der Bielefelder Fotograf aber nicht nur für dokumentarische Fotos steht, zeigt eine multimedial angelegte Ausstellung im Historischen Museum.

Sparrenburg (Foto: Veit Mette)

„Obwohl Bilder aus meinem gesamten Schaffen von etwa 1981 bis heute zu sehen sein werden, wollen wir das Wort Retrospektive ein bisschen vermeiden“, so Veit Mette. Der Titel „Das ganze Leben“ bringt es besser auf den Punkt. „Die Ausstellung erzählt anhand meiner Person den Blick auf die ganze Welt. Da ist Bielefeld natürlich Bestandteil, aber es geht weit darüber hinaus“, sagt der Fotograf. So gibt es etwa eine Serie mit Bildern aus Afrika, wo er für Terres des Hommes unterwegs war, oder Straßenszenen aus New York, wo sein Bruder in den 90ern lebte. „Diese Bilder sind noch komplett unbekannt. Auch für Leute, die meine Arbeiten kennen, gibt es viel Neues zu entdecken“, freut sich Veit Mette. „Für die Vorbereitung habe ich die Archive durchwühlt, das war ein mittelmäßiger Wahnsinn“, lacht der Bielefelder, der dabei selbst auf fast Vergessenes aus den 80ern und 90ern gestoßen ist.

Karneval in Bethel (Foto: Veit Mette)

Den eher journalistischen Projekten, die in Schwarz-Weiß gehalten sind, stehen die zumeist farbigen Arbeiten mit künstlerischem Schwerpunkt gegenüber. Dazu zählen digitale Mehrfachbelichtungen von Landschaften und Menschenmengen oder Projektionen von Porträts auf Gemälde. Zwei verschiedene Künstlerpersönlichkeiten, so könnte man meinen, denen das Historische Museum auf raffinierte Weise gerecht wird. „Das wird keine klassische Ausstellung von Fotografien“, erklärt Veit Mette, „sondern eine Beamer-gestützte mit großen digitalen Projektionen. Auf der einen Seite werden meine journalistischen Arbeiten gezeigt, auf der anderen die künstlerischen.“

Kunsthalle Bielefeld, Ausstellung: Magischer Realismus,1991 (Foto: Veit Mette)

Eine weitere Besonderheit: Wer nicht nur schauen mag, stellt sich unter die „Soundduschen“, die so konzipiert sind, dass sie nicht das ganze Museum beschallen. „Die farbigen Bilder werden musikalisch von fünf Ensembles begleitet. Auf der anderen Seite gibt es eine eher erzählerisch-dokumentarische Ebene. Dafür haben wir Menschen aus Bielefeld eingeladen.“ Theaterintendantin Nadja Loschky, Kunsthallendirektorin Dr. Christina Végh und Konfliktforscher Prof. Andreas Zick haben sich jeweils Bilder ausgesucht und mit Museumsleiterin Dr. Constanze Döhrer darüber gesprochen. Außerdem gibt es einen Soundteppich mit Gesprächen aus der JVA Herford, deren Alltag der Fotograf dokumentiert hat, sowie aus dem Künstlerhaus Lydda und der Theaterwerkstatt Bethel. Noch mehr Bielefeld-Bezug bietet die begleitende Zeitung zum Mitnehmen für alle Besucher*innen, in der unter anderem Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer und Bielefeld Marketing-Geschäftsführer Martin Knabenreich etwas über ihr Bielefeld-Bild erzählen. Man darf gespannt sein, ob es ebenso einzigartig ist wie das von Veit Mette.

22.11.2026-28.02.2027; Historisches Museum

Test: Stefanie Gomoll

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