75 Jahre Theater- und Konzertfreunde

Engagiert für die Kultur

Wie viele Termine im Jahr ihr ehrenamtliches Engagement umfasst, können sie nicht genau beziffern. „Vielleicht an die 100“, schätzt Werner Dressler und fügt hinzu: „Es macht Spaß, ist aber auch zeitintensiv.“ Dass der TheKo-Vorstand die einzelnen Stunden nicht zählt, spricht für die Überzeugung, mit der sich Werner Dressler, Friderun Nippel, Dr. Michael Dickob und Dr. Ute Welscher für die Kulturszene der Stadt einsetzen.

Der TheKo-Vorstand: (v.l.) Werner Dressler, Friderun Nippel, Dr.Michael Dickob; Dr. Ute Welscher)

Die 1951 gegründeten Theater- und Konzertfreunde Bielefeld e. V. sind mit rund 1.200 Mitgliedern einer der größten und ältesten Kulturfördervereine in Bielefeld. „Es ist uns wichtig, dass wir als Bürgerverein in der Stadt präsent sind“, sagt Ute Welscher. Die Kulturmanagerin ist 2016 gleich mit einer aktiven Rolle eingestiegen, weil sie sich auch ehrenamtlich mit Kultur beschäftigen wollte. Sie unterstreicht: „Wir sind kein elitärer Verein, der ausschließlich die Hochkultur fördert.“ So unterstützten die TheKos etwa auch die Musik- und Kunstschule sowie die freie Szene und tauschen sich mit anderen Kulturvereinen wie der Murnau-Gesellschaft oder der literarischen Gesellschaft aus. „Neu ist die Zusammenarbeit mit der NWD, wir möchten über Bielefeld hinaus ein Netzwerk ausbauen“; so Michael Dickob. Ute Welscher resümiert: „Der zentrale Motor ist das Engagement für die Kultur. Das hat auch die Befragung der Mitglieder im Rahmen unseres Jubiläums ergeben. Die Vorteile, die Mitglieder haben, sind ein Bonus.“ Einen weiteren Aspekt fügt Michael Dickob hinzu: „Kultur hat es aktuell immer schwerer. Umso wichtiger ist es, dass Menschen dafür eintreten – ohne Einfluss auf das Programm nehmen zu wollen. Wir wollen eine Lobby für die Kulturfreiheit sein.“

Das geschieht einerseits über die konkrete finanzielle Unterstützung. „Wir stellen jährlich 50.000 Euro zur Kulturförderung zur Verfügung, überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen, aber auch aus Spenden“, so Werner Dressler. „Wir haben Mitglieder, die seit 60 Jahren dabei sind, freuen uns zugleich über neue Mitglieder. Wir sind offen für junge Leute.“ Er selbst ist seit 2011 dabei. „Ich war beruflich bei der Bank und Frau Pfitzner hat mich als Schatzmeister angeworben.“

Zu den konkreten Förderprojekten in der Spielzeit 2026/27 zählen unter anderem „Die Zauberflöte“, „Summer Snow“ sowie das Bielefeld-Musical der MuKu. Ein Projekt aus der Vergangenheit hat Michael Dickob besonders überzeugt: „Die gesponserten Stühle für das sanierte Theater fand ich toll, das war ein Ankerprojekt für mich. Ehe ich mich im Vorstand engagiert habe, waren meine Frau und ich seit 1998 passive Mitglieder. Meine Affinität zum Theater rührt aus der Jugend. Meine Eltern waren Abonnenten in Münster, wo ich herkomme, und ich durfte die Freikarten genießen.“

Neben der finanziellen steht die ideelle Unterstützung, wobei beides oft Hand in Hand geht. Etwa bei der Förderung von Künstlerinnen und Künstlern durch die Verleihung des „TheKo-Talers“, den „Theater macht Schule-Preis“ oder das Engagement für „Angekommen in deiner Stadt“, das sich an junge, zugewanderte Menschen richtet. „Die Vermittlungsarbeit des Theaters und Zugänge von Kindern und Jugendlichen ans Theater zu fördern, ist uns ein besonderes Anliegen“, unterstreicht Ute Welscher.

Überhaupt verstehen sich die TheKos als Brückenbauer zwischen Kulturschaffenden und Publikum. Bei Formaten wie „An der Bar mit…“ können ZuschauerInnen Menschen aus dem Kulturbereich kennenlernen. Und die Vereins-Mitglieder profitieren von einer besonderen Nähe zu Theater und Orchester. „Wir besuchen Proben, erleben, wie ein Bühnenbild entsteht, Schauspieler ihren Text lernen oder wie komplex allein die Beleuchtung ist“, so Michael Dickob. Durch dieses Hintergrundwissen sehen sie Vorführungen mit anderen Augen. Und zwar so viele, dass es schwerfällt, einen einzelnen Abend der letzten Saison herauszustellen. „Es gab so viele Highlights“, betont Michael Dickob. „Beeindruckend ist die Breite. Von sehr aufwändig bis zur Inszenierung mit drei Schauspielern im TAM. In Bielefeld kann man auf kurzen Wegen viel erleben.“ Während er dann doch das Jubiläum der Philharmoniker hervorhebt, hat Ute Welscher einen eindeutigen Favoriten: „Das Format Lichtspieloper in der Rudolf-Oetker-Halle finde ich ganz besonders. Wir haben hier ein Musiktheater, das sich viel traut. ‚Le Grand Macabre‘ war ein herausfordernder, anspruchsvoller Abend, ein Highlight für mich.“ Auch beim Blick auf die Spielzeit 2026/27 freuen sich die Vorstands-Mitglieder auf eine Saison voller Höhepunkte. Aber jetzt stecken sie erst einmal mitten in den aufwändigen Vorbereitungen für den Festlichen Auftakt, der anlässlich ihres Jubiläums ein besonderer zu werden verspricht.

www.theko-bielefeld.de

Text: Stefanie Gomoll Foto: C. R. Schulz

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