FREIRÄUME FÜR IDEEN

Impulse für die Kulturstadt von Morgen

Kreativität und Kultur halten Bielefeld als urbane Großstadt in Bewegung. Es gibt vielfältige Angebote, Neues entsteht, Bewährtes wird weiterentwickelt. Warum also braucht es einen Kulturentwicklungsplan (KEP)? Johanna Trockels, im Kulturamt zuständig für die KEP-Planung, erläutert.

Was genau will dieser Plan für die „Kulturstadt von Morgen“?

Die Transformationen unserer Gesellschaft stellen Kulturakteur*innen vor Herausforderungen – eröffnen aber auch Chancen. Der im Frühjahr vom Rat beschlossene zweite Kulturentwicklungsplan soll Rahmenbedingungen schaffen, die eine vielfältige, lebendige und zukunftsfähige Kulturlandschaft fördern.

Foto: Klaus Hansen

Wie ist der KEP entstanden?

Der KEP ist eine Initiative des Kulturdezernats und entwickelt Ideen und Strategien für die Kulturstadt von morgen – gemeinsam mit der Szene. Das Besondere: Der Bielefelder KEP basiert auf einem breiten Beteiligungsprozess. Künstler*innen, Initiativen, Institutionen und Bürger*innen brachten ihre Perspektiven ein. So entstand ein praxisnaher Leitfaden für Politik und Verwaltung – und zugleich ein „Werkzeugkasten“ für die Kulturszene.

Wohin soll sich die Kultur entwickeln?

Der Plan stellt zentrale gesellschaftliche Themen ins Zentrum: Wie lässt sich kulturelle Vielfalt stärken? Wie können kreative Netzwerke und Kooperationen ausgebaut werden? Wie sichern wir die Freiheit der Kultur, damit sie ihre visionäre Kraft für künftige Herausforderungen nutzen kann? Und: Welche Bedürfnisse haben verschiedene Generationen? Wo ist Förderung sinnvoll und wo nicht? Der KEP will Orientierung geben und zur Mitgestaltung anregen. Niedrigschwellige Beteiligungsformate wie der Instagram-Kanal @kulturentwicklung_bielefeld oder Veranstaltungsreihen wie die „KulturBar“ fördern Austausch und Vernetzung.

Was entsteht konkret in Bielefeld?

Bereits im Beteiligungsprozess ergaben sich neue Kontakte, Formate und Impulse. Das „Freifeld-Festival“ der freien Theater ohne eigenes Haus zeigt z.B. die Vielfalt der Freien Darstellenden Künste. Das „Kulturforum“ des Kulturpa©ts ist ein jährliches Netzwerktreffen für Kreative und Partner*innen. Oder der „Freiraum Rochdale“, ein ehemaliges Kasernengelände, entwickelt sich zu einem offenen Ort für Kultur, Sport und Soziales. Und im „Kulturhaus Ostblock“ arbeiten Künstler*innen spartenübergreifend – und wünschen sich dafür mehr Planungssicherheit.

Welche Kulturräume braucht es in unserer Stadt?

Produktions- und Präsentationsräume bleiben ein zentrales Thema. Kultur braucht grundsätzlich kreative Orte: bezahlbar, zugänglich, vielfältig nutzbar. Viele Kulturschaffende sind offen für neue, kooperative Modelle der Raumnutzung. Auch Veränderungen wie der demografische Wandel oder neue Mobilitätskonzepte wirken sich auf die Kulturarbeit aus. Ältere Menschen haben andere Bedürfnisse als junge Familien. Darüber hinaus braucht auch die Stadtgesellschaft Räume für kreative Nutzungen – im Zentrum und in den Stadtteilen. Kultur kann hier verbindend wirken und neue Impulse setzen.

Wie geht es nach dem Ratsbeschluss weiter?

Viele freie Akteur*innen greifen bereits Empfehlungen aus dem KEP auf – insbesondere der Kulturpa©t ist hier aktiv. Auch städtische Einrichtungen planen erste Umsetzungsschritte. Über Prioritäten und Ressourceneinsatz entscheidet künftig der neue Kulturausschuss nach den Kommunalwahlen.

Wie können sich Bürger*innen beteiligen?

Kultur bietet eine Vielfalt der Beteiligungsmöglichkeiten: Von Laientheater über Musikprojekte bis zur Mitwirkung in Vereinen – es gibt zahlreiche Angebote, um in die kreative Community einzusteigen. Infos finden Interessierte auf den Webseiten der Kultureinrichtungen und Vereine, in Veranstaltungskalendern oder bei Partnern wie dem Kulturpa©t, dem Kulturamt oder der Freiwilligenagentur. Kultur entsteht da, wo Menschen Freiräume bekommen – und den Mut, sie zu gestalten!

UNBÄNDIGE VORFREUDE


OB LIVE-STREAM ODER RADIO-KONZERT – WIE VIELE ANDERE KULTURSCHAFFENDE HABEN SICH AUCH DIE BIELEFELDER PHILHARMONIKER IN DEN LETZTEN MONATEN EINIGES EINFALLEN LASSEN, UM DIE VERBINDUNG ZU IHREM PUBLIKUM ZU HALTEN. UND DOCH KANN NICHTS DIE DIREKTE BEGEGNUNG ERSETZEN.

Meisterhafte Schlüsselwerke


Bielefelder Philharmoniker DASS ALEXANDER KALAJDZIC DEN EIGENEN SPIELPLAN NICHT FÜR UNINSPIRIERT HÄLT, VERSTEHT SICH VON SELBST. DOCH WIE HÄUFIG BEI DER VORSTELLUNG DER KONZERTSAISON BEGRIFFE WIE „KONGENIAL“, „GRANDIOS“ ODER „MEIN…

Die neue Spielzeit


Als Motto für ihre erste Saison in alleiniger Intendanz hat Nadja Loschky einen Ausspruch gewählt, der sich in den unterschiedlichsten Situationen durch unsere Gedanken zieht – etwa angesichts weltbewegender Ereignisse, die uns mit erschütternder Wucht treffen.

Große Erwartungen


Die Realität des Steckrübenwinters 1919 in Berlin trifft in „Madame Dubarry“ auf das elegante Rokoko eines märchenhaft imaginierten vorrevolutionären Zeitalters. Ernst Lubitsch zeigt den Aufstieg und Fall einer jungen Hutmacherin zur Mätresse des französischen Königs und mächtigsten Frau Frankreichs. „Die Stadt ohne Juden“ von K. H. Breslauer hingegen ist ein Titel, der uns heute das Blut in den Adern gefrieren lässt. 1924 gedreht, nach fast 100 Jahren wiederentdeckt und restauriert, nimmt der Film zum ersten Mal überhaupt das Thema Antisemitismus auf und setzt es in eine satirische Dystopie von unfassbarer Hellsichtigkeit über die Hetze gegen Juden um. Anders als in der Realität wenige Jahre später geht die Filmgeschichte jedoch besser aus. Der Massenhysterie folgt die Ernüchterung. Ohne Juden wird alles schlimmer in Utopia. Weiter geht’s mit dem „Kino für Kurze“, einem amüsanten Kurzfilmprogramm für die ganze Familie, gefolgt von „The Goose Woman“.